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DEUTSCH

Bethan Hughes

Eurer Unserer Haus (Your Our House), 2026

Ortsspezifische Installation. Sound in Zusammenarbeit mit Diego Flórez.

Bethan Hughes untersucht in ihren audiovisuellen Installationen, Skulpturen und Texten die politischen und ästhetischen Dimensionen von Architektur, Infrastruktur und gebauter Umwelt. Ausgangspunkt ihrer Arbeiten sind häufig urbane Räume, deren Wahrnehmung durch Medienbilder, Planungspolitiken und soziale Zuschreibungen geprägt wird.

Dabei interessiert sie sich für Fragen von Zugehörigkeit, Ausschluss und kollektiven Vorstellungen, die räumlich organisiert und gesellschaftlich reproduziert werden.

Für die Britzenale entwickelt Hughes mit Eurer Unserer Haus (Your Our House) eine ortsspezifische Installation auf Parzelle 20 der Anlage „Zur Windmühle“. Die Arbeit knüpft an ihre fortlaufende Werkserie Built to Order an und verbindet die Kleingärten mit der Großwohnsiedlung in Neukölln, in der die Künstlerin lebt.

Die in den 1970er Jahren unmittelbar an der Berliner Mauer errichtete Siedlung entstand auf dem Gelände mehrerer ehemaliger Kleingartenanlagen, darunter die Kolonie Togoland, benannt nach der deutschen Kolonialherrschaft in Ghana.

Obwohl sich beide Orte materiell stark unterscheiden, erkennt Hughes strukturelle Parallelen. Beide beruhen auf Ideen gemeinschaftlicher Nutzung und sozialer Fürsorge. Beide wurden im Laufe der Zeit privatisiert, reguliert und teilweise medial überformt.

Die Arbeit verweist dabei auch auf Formen sozialer Marginalisierung und darauf, wie urbane Randzonen durch politische Diskurse, rassifizierte Zuschreibungen und mediale Bilder geprägt werden. Hughes interessiert sich dafür, wie Distanz – sei sie physischer, sozialer oder vermittelter Natur – die Wahrnehmung prägt und einen Blick hervorbringt, der von einer Mischung aus Angst und Sehnsucht bestimmt ist. Dieser beeinflusst wiederum, wie Räume verstanden, bewertet oder fehlgedeutet werden.

Die Installation verdichtet diese Überlagerungen in einer räumlichen Situation aus Klang, Öffnungen und ambivalenten Gesten des Einblicks. In die geöffneten Fenster des leerstehenden Gartenhauses sind von Hughes gefertigte Stahlaufsätze eingehängt, die sich an die Architektur des Hauses anlehnen und zugleich in sie eingreifen.

Die Konstruktionen laden zum Verweilen und Zuhören ein, wirken jedoch zugleich leicht übergriffig oder voyeuristisch – wie Vorrichtungen, die sich in einen privaten Raum einschleusen oder dessen Grenzen unbemerkt durchbrechen. Die Fenster werden so zu Schwellen zwischen Innen und Außen, Nähe und Distanz, Öffentlichkeit und Intimität.

Aus dem Inneren des Hauses ist eine mehrkanalige Audioarbeit hörbar, die Feldaufnahmen aus der Neuköllner Siedlung und den Gärten miteinander verschränkt: Alltagsgeräusche, Stimmen, Wind, Verkehrsrauschen oder entfernte Musikfragmente.

Statt die Orte visuell festzuschreiben, arbeitet Hughes mit atmosphärischen Verdichtungen und fragmentarischen Wahrnehmungen. Die Arbeit fragt danach, wie Räume sozial imaginiert werden – und welche Realitäten hinter ihren Bildern verborgen bleiben.

ENGLISH

Bethan Hughes

Eurer Unserer Haus (Your Our House), 2026

Site-specific installation. Sound in collaboration with Diego Flórez.

In her audiovisual installations, sculptures and texts, Bethan Hughes explores the political and aesthetic dimensions of architecture, infrastructure and the built environment. Her work often begins with urban spaces whose perception is shaped by media images, planning policies and social projections.

She is particularly interested in questions of belonging, exclusion and collective imaginaries that are spatially organised and socially reproduced.

For the Britzenale, Hughes has created the site-specific installation Eurer Unserer Haus (Your Our House) on Plot 20 of the allotment garden association “Zur Windmühle”. The work builds on her ongoing series Built to Order and connects the allotment gardens with the large housing estate in Neukölln where she lives.

Built in the 1970s directly adjacent to the Berlin Wall, the estate occupies the former site of several allotment gardens, including Kolonie Togoland, named after German colonial rule in Ghana.

Although the two places differ greatly in their material reality, Hughes identifies structural parallels between them. Both were founded on ideas of communal use and social support. Both have, over time, been privatised, regulated and partially reshaped through media representation.

The installation also addresses forms of social marginalisation and the ways urban peripheries are shaped by political discourse, racialised perceptions and media narratives. Hughes is interested in how distance—whether physical, social or mediated—structures perception and produces a gaze shaped by a mixture of fear and desire. This, in turn, influences how places are understood, valued or misread.

The installation condenses these overlapping histories into a spatial situation shaped by sound, openings and ambiguous gestures of looking. Attached to the open windows of the vacant garden house are steel appendages made by Hughes that both draw on and intrude into the building’s architecture.

While these constructions invite visitors to linger and listen, they also appear slightly invasive or voyeuristic—like devices slipping into a private space or quietly breaching its boundaries. The windows become thresholds between interior and exterior, proximity and distance, public life and intimacy.

From inside the house, visitors hear a multi-channel sound composition combining field recordings from the Neukölln housing estate and the gardens: everyday sounds, voices, wind, traffic noise and distant fragments of music.

Rather than defining these places visually, Hughes works with atmospheres and fragmented perceptions. The installation asks how spaces become socially imagined—and what realities remain concealed behind their images.

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