top of page

DEUTSCH

Frauke Zabel

Kleingartenlaube Typ IV, 2026

Audioarbeit (ca. 12 Minuten), Eckbank nach einem Entwurf von Margarete Schütte-Lihotzky aus dem Jahr 1927, Plakate

Frauke Zabel arbeitet forschungsbasiert und ortsbezogen. Ausgangspunkt ihrer Arbeiten sind häufig Spuren in der Gegenwart, denen sie in Gesprächen, Archiven sowie anhand historischer Materialien und Formen kollektiven Wissens nachgeht.

Dabei verbindet sie künstlerische Recherche mit Vermittlung und entwickelt Projekte, die soziale, politische und räumliche Zusammenhänge sichtbar machen. Ihre Arbeiten entstehen oft in engem Bezug zu konkreten Orten und den Erfahrungsräumen der Menschen, die sie prägen. Fragen nach Erinnerung, öffentlichem Raum und gesellschaftlicher Teilhabe spielen dabei eine zentrale Rolle.

Für die Britzenale setzt sich Zabel mit der Geschichte des Kleingartens als sozialem und politischem Raum auseinander. Ihre Recherche basiert auf Entwürfen der Architektin Margarete Schütte-Lihotzky, die Ende der 1920er Jahre im Hochbauamt Frankfurt am Main verschiedene Typen von Kleingartenlauben entwickelte.

Bekannt wurde Schütte-Lihotzky vor allem durch die „Frankfurter Küche“, die als Beispiel funktionaler und standardisierter Architektur gilt. Auch ihre Entwürfe für Kleingartenlauben folgten dem Anspruch, Wohn- und Arbeitsräume möglichst effizient, kostengünstig und platzsparend zu gestalten.

An diesem Ort, der keine private Parzelle mehr ist, sondern Teil der öffentlichen Anlage geworden ist, werden die historischen und gesellschaftlichen Einschreibungen des Kleingartens als sozialer Raum besonders sichtbar.

Im Zentrum von Zabels Arbeit steht der Nachbau einer Eckbank aus dem Entwurf „Kleingartenlaube Typ IV“ von 1927. Die ozeanblaue Bank kann von Besucher:innen genutzt werden und verweist auf die Mehrfachfunktionen historischer Laubenmöbel.

Die beiden Sitzflächen dienten zugleich als Schlafplatz und als Stauraum für Werkzeuge und persönliche Gegenstände. Die ursprüngliche Gestaltung folgte den Anforderungen eines Lebens am Existenzminimum, in dem jeder verfügbare Raum mehrere Aufgaben erfüllen musste. Die Bank kann daher auch als Kommentar zu den politischen und sozialen Lebensbedingungen ihrer Zeit gelesen werden.

Die Audioarbeit, die beim Verweilen auf der Eckbank angehört werden kann, nähert sich der Geschichte der Arbeiterärten an. Plakate verweisen auf Recherchen zu historischen Entwürfen von Schütte-Lihotzky und dem Gartenarchitekten Max Bromme.

Dessen Bewirtschaftungspläne für Feld- und Gartenparzellen zeigen, wie eng Fragen von Wohnen, Arbeit und Selbstversorgung miteinander verknüpft waren. Kleingärten entstanden auch als Möglichkeit für Arbeiter, ihre Nahrungsgrundlage durch Eigenanbau zu sichern.

Gleichzeitig waren sie Orte gesellschaftlicher Ordnung und Disziplinierung. Die Gärten sollten auch zur „Erziehung“ eines geregelten und angepassten Lebens beitragen.

Zabel verbindet diese historischen Materialien mit Fragen an die Gegenwart. Die Arbeit lädt dazu ein, den Kleingarten nicht nur als privaten Rückzugsort zu betrachten, sondern auch als Spiegel gesellschaftlicher Vorstellungen von Arbeit, Gemeinschaft, Fürsorge und sozialer Kontrolle.

ENGLISH

Frauke Zabel

Garden House Type IV, 2026

Sound composition (approx. 12 minutes), L-shaped bench based on a 1927 design by Margarete Schütte-Lihotzky, posters

Frauke Zabel’s practice is research-based and site-specific. Her work often begins with traces found in the present, which she explores through conversations, archives, historical materials and forms of collective knowledge.

Combining artistic research with public engagement, she develops projects that make social, political and spatial relationships visible. Her works frequently emerge in close dialogue with specific places and the lived experiences of the people who shape them. Questions of memory, public space and social participation play a central role throughout her practice.

For the Britzenale, Zabel examines the history of the allotment garden as a social and political space. Her research draws on designs by the architect Margarete Schütte-Lihotzky, who developed various models of garden houses for the Frankfurt am Main Building Authority in the late 1920s.

Schütte-Lihotzky is best known for the “Frankfurt Kitchen”, regarded as a landmark of functional and standardised architecture. Her garden house designs similarly pursued the goal of creating living and working spaces that were efficient, economical and compact.

At this site, which is no longer a private plot but part of a publicly accessible area, the historical and social inscriptions of the allotment garden as a collective space become particularly visible.

At the centre of Zabel’s work is a reconstruction of an L-shaped bench from the 1927 design Garden House Type IV. Painted in ocean blue, the bench is available for visitors to use and highlights the multifunctional nature of historical allotment furniture.

The two seating sections also functioned as sleeping quarters and storage spaces for tools and personal belongings. The original design responded to the realities of living with very limited means, where every available space had to fulfil multiple purposes. As such, the bench can also be understood as a commentary on the political and social conditions of everyday life.

The sound composition, which can be listened to while sitting on the bench, explores the history of workers’ allotment gardens. Posters present research on the designs of Schütte-Lihotzky and the landscape architect Max Bromme.

His cultivation plans for agricultural and garden plots reveal how closely housing, labour and self-sufficiency were intertwined. Allotment gardens emerged as a means for workers to secure part of their food supply through cultivation.

At the same time, they functioned as spaces of social order and discipline. The gardens were intended to encourage a regulated and socially conforming way of life.

Zabel connects these historical materials with contemporary questions. The work invites visitors to view the allotment garden not only as a private retreat, but also as a reflection of societal ideas about labour, community, care and social control.

bottom of page