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DEUTSCH

Marie Jeschke & Carolin Seeliger

Erdsee / Teil 1/4 (Segel), 2026

Segel, Rumpf, Innenausbau, Route/Karte

Marie Jeschke arbeitet an der Schnittstelle von Malerei, Materialforschung und ortsgebundenen Verfahren im und unter Wasser. Ihre Werke entstehen unter unmittelbarer Einwirkung von Gewässern und deren ökologischen, historischen und materiellen Bedingungen.

Carolin Seeliger beschäftigt sich in fotografischen und prozessbasierten Arbeiten mit den Beziehungen zwischen Mensch, Meer und Umwelt. Wasser, Wind oder Algen treten dabei als aktive Mitgestalter ihrer Arbeiten auf.

In gemeinsamen Projekten verbinden beide Künstlerinnen ihre Auseinandersetzung mit Wasser als Material, Lebensraum und Träger von Erinnerungen, Geschichten und Vorstellungen.

Für die Britzenale entwickeln Jeschke und Seeliger die Installation Erdsee / Teil 1/4 (Segel). Ausgangspunkt ist die verlassene Parzelle 139 der Kleingartenanlage „Zur Windmühle“. Hier greifen die Künstlerinnen einen langjährig gehegten Wunsch auf: den Bau eines Floßes oder einer seetüchtigen Skulptur.

Die Arbeit bildet den ersten Schritt eines größeren Vorhabens und fragt danach, wie sich heute eine Expedition vorstellen lässt, ohne tatsächlich in See zu stechen. Die ausgedörrte Parzelle wird zu einem temporären Denk-, Arbeits- und Erfahrungsraum. Mehrere gebrauchte Segel, die zuvor auf Nord- und Ostsee sowie dem Atlantik im Einsatz waren, sind über das Gelände gespannt und formen Wellenberge und Täler. Zwischen den textilen Flächen entsteht eine begehbare Landschaft, die an Meer, Lager und Baustelle zugleich erinnert.

Die Segel tragen Spuren ihrer früheren Reisen und werden hier zu überdimensionalen Skizzenpapieren. Die Künstlerinnen bearbeiten sie mit Zeichnungen, Texten, Farben und Notizen. So entsteht ein offener Entwurfsraum für ein Projekt, das sich noch im Werden befindet.Besucher sind eingeladen, sich an diesem Prozess zu beteiligen. Wie könnte ein seetüchtiges Floß heute aussehen? Welche Materialien wären geeignet? Welchen menschlichen und nichtmenschlichen Wesen könnte es begegnen? Und welche Rolle spielt die Kunst auf einer solchen Reise – wäre sie Werkzeug, Begleiterin oder etwas, das am Ufer zurückbleibt?

Die Arbeit versammelt unterschiedliche Bezugspunkte: historische Atlantiküberquerungen, Thor Heyerdahls Kon-Tiki-Expedition, Werner Herzogs Fitzcarraldo, Märchen, aktuelle Segelantriebssysteme für Containerschiffe sowie Ursula K. Le Guins Erdsee-Zyklus, aus dem die Schauspielerin Lisa Hrdina innerhalb der Installation lesen wird.

Zwischen Recherche, gemeinsamer Imagination und konkreter Planung wird die Parzelle zum Ausgangspunkt einer Reise, die vorerst an Land bleibt und dennoch Fragen nach Aufbruch, Gemeinschaft und dem Verhältnis von Mensch und Umwelt verhandelt.

ENGLISH

Marie Jeschke & Carolin Seeliger

Earthsea / Part 1/4 (Sail), 2026

Sail, hull, interior, route/map

Marie Jeschke works at the intersection of painting, material research and site-specific practices in and under water. Her works are directly shaped by bodies of water and their ecological, historical and material conditions.

Carolin Seeliger explores the relationships between humans, the sea and the environment through photographic and process-based works. Water, wind and algae act as active co-creators within her practice.

In their collaborative projects, both artists engage with water as material, habitat and carrier of memories, stories and imaginaries. For the Britzenale, Jeschke and Seeliger have developed the installation Earthsea / Part 1/4 (Sail). The starting point is the abandoned Plot 139 of the allotment garden association “Zur Windmühle”. Here, the artists realise a long-held wish: to build a raft or a seaworthy sculpture.

The work constitutes the first step in a larger project and explores how an expedition might be imagined today without actually setting sail.

The dried-out garden plot becomes a temporary space for reflection, work and experience. Several used sails, previously deployed on the North Sea, the Baltic Sea and the Atlantic, are stretched across the site, forming crests and troughs. Between the textile surfaces, a walkable landscape emerges that simultaneously evokes the sea, a storage site and a construction area.

The sails bear traces of their former journeys and become oversized sketchbooks. The artists cover them with drawings, texts, colours and notes, creating an open drafting space for a project that is still in the process of becoming.

Visitors are invited to participate in this process. What might a seaworthy raft look like today? Which materials would be suitable? What human and non-human beings might it encounter? And what role could art play on such a journey—would it be a tool, a companion or something left behind on the shore?

The installation draws on a wide range of references: historical Atlantic crossings, Thor Heyerdahl’s Kon-Tiki expedition, Werner Herzog’s Fitzcarraldo, fairy tales, contemporary sail-propulsion systems for container ships and Ursula K. Le Guin’s Earthsea cycle, from which the actress Lisa Hrdina will read within the installation.

Between research, collective imagination and concrete planning, the plot becomes the starting point of a journey that, for now, remains on land while nevertheless exploring questions of departure, community and the relationship between humans and the environment.

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