DEUTSCH
Dennis Fuchs
Garden Drone (432 Hz), 2026
DIY-Drone-Synthesizer, Holz, Aluminium, Kunststoff, Keyboardständer, Lautsprecher, Mixed Media
Dennis Fuchs arbeitet an der Schnittstelle von Skulptur, Malerei und installativen Systemen.
Ausgangspunkt seiner Arbeiten sind Alltagsobjekte und materialbasierte Setzungen, die er in humorvolle Konstellationen überführt. Im Zentrum steht die Frage, wie Dinge als eigenständige Akteure wirken und wie ihnen Wahrnehmung, Verhalten und Bedeutung eingeschrieben werden. Seine Praxis ist stark geprägt von einer Sensibilität für Objektkultur, Materialästhetiken und die Tendenz, Dingen eine individuelle Präsenz und Eigenlogik zuzuschreiben.
Für die Britzenale entwickelt Fuchs mit Garden Drone (432 Hz) eine ortsbezogene Installation, die erstmals Sound als zentrales Material integriert. Diese Erweiterung entsteht experimentell und knüpft an eine spekulative, teilweise musikalisch inspirierte Auseinandersetzung an, die davon ausgeht, dass Klang Einfluss auf Wachstumsprozesse von Pflanzen nehmen kann. Sound wird hier nicht als Illustration oder musikalisches Ereignis verstanden, sondern als räumlich wirksames, zugleich ernst genommenes und spielerisch überhöhtes Element innerhalb eines Gartenraums als lebendigem Gefüge.
Im Zentrum der Arbeit steht ein interaktives Klangsystem aus unsichtbar in den Garten integrierten Lautsprechern, Drehreglern und Schaltern, das von Besucher gesteuert werden kann. Der synthetisch erzeugte Klang reagiert unmittelbar auf diese Eingriffe und bewegt sich zwischen harmonischen, fragilen und stark übersteuerten Zuständen. Diese Verschiebungen sind nicht stabil, sondern kippen immer wieder ins Unvorhersehbare – ein Moment, in dem Kontrolle bewusst brüchig wird und das System eine eigene, leicht widerspenstige Logik entwickelt.
Bedient wird das System durch gegossene Polyurethanobjekte in Form von Gemüse, die als zusätzliche, körperlich greifbare Steuerpunkte fungieren. Diese Elemente setzen eine längere Werkreihe fort, in der Fuchs Alltags- und Nahrungsformen als eigenständige, fast figürliche Gegenüber behandelt. Die Gemüse erscheinen dabei zugleich vertraut und leicht verschoben, als hätten sie eine stille Eigenmächtigkeit entwickelt. Humor und Irritation spielen dabei eine zentrale Rolle: Die Objekte bewegen sich zwischen Ernst und Kitsch, zwischen Modell und „lebendigem Ding“ und öffnen eine spielerische, teilweise absurde Ebene innerhalb der Installation.
ENGLISH
Dennis Fuchs
Garden Drone (432 Hz), 2026
DIY drone synthesizer, wood, aluminium, plastic, keyboard stands, loudspeakers, mixed media
Dennis Fuchs works at the intersection of sculpture, painting and installation-based systems.
His works are inspired by everyday objects and material arrangements, which he transforms into humorous constellations. His interest lies in how objects function as independent agents and become inscribed with perception, behaviour and meaning. His practice is characterised by a sensitivity to object culture, material aesthetics and the tendency to attribute an independent presence and internal logic to things.
In Garden Drone (432 Hz), his site-specific installation developed for the Britzenale, Fuchs employs sound as a central medium for the first time. Experimental in nature, the project builds on a speculative and partly music-inspired exploration of the idea that sound can influence plant growth. Here, sound is understood not as an illustration or musical event, but as a spatial element—both taken seriously and playfully exaggerated—within the living structure of a garden.
At the core of the work is an interactive sound system consisting of speakers, knobs and switches subtly integrated into the garden and operated by visitors. The synthetically generated sound reacts immediately to these interventions, shifting between harmonious, fragile and heavily distorted states. These fluctuations remain unstable, repeatedly tipping into unpredictable moments in which control becomes tenuous and the system develops its own slightly unruly logic.
The system is operated through vegetable-shaped polyurethane objects that function as additional, tactile control points. These elements continue a long-standing body of work in which Fuchs treats everyday objects and food forms as independent, almost figurative counterparts. The vegetables appear both familiar and slightly displaced, as if they had developed a quiet autonomy. Humour and disorientation play a central role: the objects move between seriousness and kitsch, between model and “living thing”, opening up a playful and at times absurd dimension within the installation.
Through the interaction of sound system, object and garden, a situation emerges in which technical, botanical and collective social processes intersect without ever becoming fully controllable. The garden becomes a testing ground in which sonic experimentation and sculptural practice converge in a precise yet playfully fractured exploration of perception and the relationships between living and artificially produced forms.
Im Zusammenspiel von Klangsystem, Objekt und Garten entsteht eine Situation, in der technische, pflanzliche und kollektive soziale Prozesse ineinandergreifen, ohne sich vollständig kontrollieren zu lassen. Der Garten wird so zu einem Versuchsraum, in dem Klangexperiment und skulpturale Praxis zu einer ebenso präzisen wie humorvoll gebrochenen Anordnung über Wahrnehmung und die Beziehungen zwischen lebenden und künstlich erzeugten Formen zusammenfinden.