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DEUTSCH

Jinran Ha

Latentes Refugium für das Wilde, 2026

Transparente Acrylrohre, Acrylrundstäbe, Aluminiumstäbe, Perlonschnur, Clips, Spontanvegetation

Jinran Ha arbeitet an der Schnittstelle von Installation, Performance und räumlicher Intervention. Ausgangspunkt ihrer Arbeiten sind häufig Fragen nach Sichtbarkeit, Zugehörigkeit und räumlicher Ordnung. Sie interessiert sich für Orte, an denen gesellschaftliche Regeln und Grenzziehungen sichtbar werden – ebenso wie für jene Menschen, Pflanzen oder Erscheinungen, die innerhalb solcher Systeme übersehen, ausgeschlossen oder an den Rand gedrängt werden.

Dabei untersucht sie, wie Räume durch sichtbare und unsichtbare Strukturen geprägt sind und wie sich Grenzen zugleich als instabil, durchlässig oder veränderbar zeigen können. Ihre Installationen entstehen oft ortsbezogen und beziehen natürliche Prozesse wie Wind, Bewegung oder Wachstum mit ein.

Für die Britzenale entwickelt Ha eine Installation aus fünf transparenten Zaunmodulen, die sich entlang von Wegrändern, Brachen und spontan wachsender Vegetation innerhalb der Kleingartenanlage verteilen. Die einzelnen Elemente greifen formal die Struktur klassischer Gartenzäune auf, erscheinen jedoch offen, fragmentiert und nicht eindeutig abgeschlossen.

Als fünf eigenständige lineare Module fügen sie sich an verschiedenen Orten zwischen Wildkräutern und Pflanzen ein, die normalerweise entfernt oder als „Unkraut“ betrachtet werden. Statt einen festen Bereich abzugrenzen, entstehen lockere räumliche Markierungen, die sich mit der vorhandenen Umgebung verweben.

Ausgangspunkt der Arbeit ist Has erste Begegnung mit der Kleingartenanlage. Die Vielzahl sichtbarer Zäune und klar voneinander abgegrenzter Parzellen erinnerte sie an gesellschaftliche Vorstellungen von Besitz, Kontrolle und Zugehörigkeit. Gleichzeitig stellte sich für sie die Frage, wie sich solche Ordnungssysteme zur Natur verhalten. Pflanzen wachsen über Grenzen hinweg, verbreiten sich durch Wind, teilen unterirdische Netzwerke und entziehen sich menschlichen Vorstellungen von klarer Trennung.

Besonders Wildkräuter erscheinen dabei als Formen eines ungeplanten und schwer kontrollierbaren Zusammenlebens innerhalb eines gemeinschaftlich strukturierten Raums.

Die transparenten Materialien der Installation erzeugen eine Art symbolischen oder „geistigen“ Zaun: eine Grenze, die Schutz andeutet, ohne strikt abzuschließen. Statt Wachstum einzuschränken, bleiben die Module durchlässig und offen für Bewegung, Licht und Veränderung. Die Arbeit versteht sich als Geste der Fürsorge gegenüber Pflanzen, die im Kontext des Kleingartens oft als störend oder unerwünscht gelten.

Ha richtet den Blick auf die unscheinbaren Zwischenräume der Anlage und fragt danach, wie sich bestehende Vorstellungen von Ordnung, Gemeinschaft und Kontrolle vielleicht anders denken lassen.

ENGLISH

Jinran Ha

Latentes Refugium für das Wilde, 2026

Transparent acrylic tubes, acrylic rods, aluminum rods, nylon filament, clips, spontaneous vegetation

Jinran Ha works at the intersection of installation, performance and spatial intervention. Her work often begins with questions of visibility, belonging and spatial order. She is interested in places where social rules and boundaries become visible, as well as in the people, plants and phenomena that are overlooked, excluded or pushed to the margins within such systems.

She explores how spaces are shaped by visible and invisible structures and how boundaries can simultaneously appear unstable, permeable and subject to change. Her installations are often site-specific and incorporate natural processes such as wind, movement and growth.

For the Britzenale, Ha has developed an installation consisting of five transparent fence modules distributed along pathways, vacant areas and patches of spontaneous vegetation throughout the allotment garden site. The individual elements formally echo the structure of traditional garden fences while remaining open, fragmented and deliberately unfinished.

As five independent linear modules, they are placed among wild herbs and plants that are usually removed or classified as weeds. Rather than enclosing a defined area, they create loose spatial markers that intertwine with the existing environment.

The work originated from Ha’s first encounter with the allotment garden. The abundance of visible fences and clearly demarcated plots reminded her of social ideas of ownership, control and belonging. At the same time, it prompted her to consider how such systems of order relate to nature. Plants grow across boundaries, spread through the wind, share underground networks and resist human concepts of strict separation.

Wild herbs in particular appear as forms of unplanned and difficult-to-control coexistence within a communally structured space.The transparent materials create a symbolic or “mental” fence — a boundary that suggests protection without completely closing off space. Rather than restricting growth, the modules remain permeable and open to movement, light and change. The work is conceived as a gesture of care towards plants that are often regarded as disruptive or undesirable within the context of the allotment garden.

 

Ha draws attention to the site’s overlooked in-between spaces and asks how existing notions of order, community and control might be reimagined.

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