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DEUTSCH

Juliane Tübke

Sie lebt in den goldenen Zweigen, 2026

Silberweidenholz, Wachs, Öl, Pigment, Textil, Audio

Sound: Koenraad Ecker

Text und Stimme: Juliane Tübke

Juliane Tübkes Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle von Skulptur, Sound und räumlicher Installation. Im Zentrum ihrer künstlerischen Praxis stehen Beziehungen zwischen Menschen, Pflanzen, Landschaften und anderen Lebensformen.

Dabei interessiert sie sich insbesondere für sogenannte symbiozäne Perspektiven: Denkweisen, die den Menschen nicht als getrenntes oder überlegenes Wesen verstehen, sondern als Teil eines vielschichtigen Netzes gegenseitiger Abhängigkeiten.

Ihre Arbeiten schaffen atmosphärische Räume, in denen sich ökologische, körperliche und emotionale Verbindungen überlagern. Für die Britzenale entwickelt Tübke eine ortsbezogene Installation in einem der Kleingärten. Ausgangspunkt ist die Ballade Die Weide des tschechischen Schriftstellers Karel Jaromír Erben aus dem Jahr 1845.

Darin ist eine Frau nachts auf geheimnisvolle Weise mit einer Weide verbunden: Während sie tagsüber mit ihrer Familie lebt, kehrt sie nachts in den Baum zurück. Als ihr Mann die Weide aus Eifersucht fällt, sterben beide – Frau und Baum.

Anders als viele Erzählungen über Verwandlungen zwischen Mensch und Natur beschreibt die Ballade keine Trennung zwischen beiden Wesen, sondern eine unauflösbare Verbindung zwischen menschlichem und nichtmenschlichem Leben.

Tübke greift diese Erzählung auf und schreibt sie für die Audioarbeit aus der Perspektive der Frau beziehungsweise der Weide neu. Die eingesprochene Stimme wird von sphärischen, flötenartigen Klängen begleitet, die gemeinsam mit den skulpturalen Elementen eine ruhige Atmosphäre und beinahe körperliche Präsenz im Garten entfalten.

Der Sound ist nur aus der Nähe hörbar und verbindet sich mit der unmittelbaren Umgebung und den Geräuschen der Parzelle. Die Installation besteht aus bearbeiteten Ästen und Zweigen einer Silberweide aus dem Rudower Fließ in Neukölln. Das Holz wurde geschnitzt, geschliffen, geölt und teilweise mit Pigmenten und Wachs behandelt.

Einige Oberflächen erinnern an poliertes Elfenbein oder verletzliche Körperhaut. Eingearbeitete Farbfelder, intarsienartig gesetzt, wirken wie Spuren, Wunden oder freigelegte Schichten. Zwischen den Ästen hängen Fragmente eines weißen Kleidungsstücks, das an ein Nachthemd erinnert und die Figur der Erzählung nur noch indirekt sichtbar werden lässt.

Im Garten entsteht so eine fragile Raumzeichnung, die die Form eines Zelts, Schutzraums oder einer temporären Behausung aufnimmt. Zugleich wirkt die Installation still und unheimlich, vertraut und fremd zugleich.

Tübkes Arbeit verbindet historische Überlieferungen, ökologische Fragen und körperliche Erfahrung zu einer Erzählung über Koexistenz, Abhängigkeit und Verwundbarkeit – ebenso wie über die Möglichkeit, menschliches Leben nicht getrennt von der umgebenden Welt zu begreifen.

ENGLISH

Juliane Tübke

She Lives in the Golden Branches, 2026

White willow wood, wax, oil, pigment, textile, sound

Sound Composition: Koenraad Ecker
Text and Voice: Juliane Tübke

Juliane Tübke’s work operates at the intersection of sculpture, sound and spatial installation. At the centre of her artistic practice are relationships between humans, plants, landscapes and other forms of life.

She is particularly interested in what might be described as symbiocenic perspectives: ways of thinking that do not position humans as separate from or superior to other beings, but as part of a complex web of mutual interdependencies. Her works create atmospheric environments in which ecological, bodily and emotional connections overlap.

For the Britzenale, Tübke has developed a site-specific installation within one of the allotment gardens. The work takes as its starting point the ballad The Willow by the Czech writer Karel Jaromír Erben, written in 1845.

The story tells of a woman who is mysteriously connected to a willow tree at night. While she lives with her family during the day, she returns to the tree each night. When her husband cuts down the willow out of jealousy, both the woman and the tree die.

Unlike many narratives about transformation between humans and nature, the ballad does not describe a separation between the two, but an inseparable bond between human and non-human life.

Tübke reinterprets this story through a sound work written from the perspective of the woman—or the willow itself. The spoken voice is accompanied by ethereal, flute-like sounds that, together with the sculptural elements, create a calm atmosphere and an almost physical presence within the garden.

The sound can only be heard at close range and merges with the immediate surroundings and ambient sounds of the plot.

The installation consists of carved and altered branches from a white willow collected along the Rudower Fließ in Neukölln. The wood has been carved, sanded, oiled and partially treated with pigments and wax.

Some surfaces evoke polished ivory or vulnerable skin. Intarsia-like colour inlays appear as traces, wounds or exposed layers.

Fragments of a white garment hang between the branches, recalling a nightdress and allowing the protagonist of the story to remain only indirectly present.

The resulting installation forms a fragile spatial drawing that resembles a tent, shelter or temporary dwelling. At the same time, it feels quiet and uncanny—both familiar and strange.

Tübke’s work weaves together folklore, ecological concerns and embodied experience into a narrative about coexistence, interdependence and vulnerability, while proposing a way of understanding human life as inseparable from the surrounding world.

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